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Jahreswechsel zwischen Nordsee und IJsselmeer in Nordholland

Warum nicht einmal andere Wege gehen? Nachdem wir die Weihnachtszeit mit unseren Familien im hohen Norden verbrachten, sehnten wir uns nach dem ganzen Trubel, dem vielen Essen und auch dem ein oder anderen Gläschen nach Ruhe und Erholung. Wir beschlossen daher den Jahreswechsel allein zu verbringen und in eine Region zu fahren, die nicht weit entfernt, aber für uns noch unbekannt war. Dafür buchten wir uns ein kleines Apartment in Nordholland und entdeckten von dort die umliegenden Sehenswürdigkeiten. 

Hafenstadt am IJsselmeer

Unsere erstes Ziel war die Hafenstadt Enkhuizen. Der Houtribdijk, auch Maarkerwaarddijk genannt, ist ein Damm, der die Stadt Lelystad mit Enkhuizen verbindet. Die Straße trennt zugleich das Marker- vom IJsselmeer. 
Wir parkten unser Auto auf einem großen Parkplatz am Bahnhof und gingen auf Erkundungstour. Vorbei am Snouck van Loosen Park, der als eines der ersten sozialen Wohnprojekte in den Niederlanden gilt, spazierten wir am Buitenhaven vorbei und hielten auf einen markanten Turm zu. Der Drommedaris ist das Wahrzeichen der Stadt. Er wurde im 16. Jahrhundert als Stadttor und Verteidigungsturm erbaut. Heute ist er Veranstaltungs- und Kulturzentrum der Stadt. Wir erreichten den Oude Haven mit seinen prachtvollen Schiffen. Beim Spaziergang durch die kopfsteingepflasterten Gassen erschien es uns fast als wäre die Zeit in Enkhuizen stehen geblieben. Die historischen Häuser in der Innenstadt und am Hafen vermitteln einen ganz besonderen Charme. Wir kamen am Flessenscheepjes Museum, welches Buddelschiffe in sämtlichen Ausführungen in einem historischen Gebäude präsentiert. Vorbei am Oosterhaven gelangten wir zum Zuiderzee-Museum. Das weitläufige Freilichtmuseum mit Lagerhäusern aus dem 17. Jahrhundert und einer Sammlung historischer Boote, vermittelt die Geschichte rund um die ehemalige Zuiderzee (heute IJsselmeer genannt). 
Wir ließen uns durch die Gassen des historischen Stadtkerns treiben und kamen an verschiedenen bedeutsamen Gebäuden vorbei. Zum Schluss spazierten wir entlang der Stadtmauer an einigen Wassertoren aus dem 16. Jahrhundert vorbei und erreichten schließlich wieder unseren Parkplatz. 

Alles nur Käse in Edam?

Als nächstes besuchten wir die Altstadt von Edam und im Anschluss das nur wenige Kilometer entfernte Fischerörtchen Volendam. Wenn man Edam hört, denkt man automatisch an Käse. So gehört der im Sommer stattfindende Käsemarkt zu einer der beliebtesten Attraktionen. Aber auch im Winter bietet die Stadt hübsche Gassen und gemütliche Einkaufsmöglichkeiten entlang der Grachten. Der historische Stadtkern steht unter Denkmalschutz. In den Wintermonaten bieten sich ein Besuch in Edams Museum an, welches allerdings nur am Wochenende geöffnet hat. Es ist eines der ältesten Museen der Niederlande und befindet sich im ältesten Steinhaus der Stadt. Oder man besucht das The Story of Edam Cheese Museum und lässt sich die Geschichte rund um den Edamer Käse erläutern. Rund zwanzig Fußminuten vom Altstadtkern entfernt, befindet sich das Fort bij Edam. Die Festungsanlage kann gegen einen kleinen Obolus an angegebenen Tagen besichtigt werden.
Edam kann auf eine lange Geschichte zurückblicken und erhielt bereits im 14. Jahrhundert Stadtrechte. Die praktische Lage am Wasser brachte viele Händler in die Stadt und im 17. Jahrhundert wurde der Edamer Käse in der ganzen Welt bekannt. Seine kugelrunde Form erwies sich als ideal für den Schiffstransport. Er wurde als Proviant oder Tauschmittel gegen beispielsweise Gewürze verwendet. Mit dem Bau von Schleusen verlor Edam jedoch die günstige Lage am Meer und damit auch den Wohlstand einstiger Zeiten. 

Volendam - das berühmteste Fischerdorf Hollands

Nur einen Katzensprung von Edam entfernt befindet sich Volendam. Der einstige Fischerhafen direkt am Markermeer besticht durch seine hübschen Häuser und einem quirligen Hafen mit allerlei Geschäften. Besonders am Wochenende ist auf De Dijk einiges los. Hier reihen sich Restaurants und Souvenirläden aneinander. Wir ließen uns Kibbelinge im Imbiss De Haven schmecken. Mit Blick auf den Hafen gleich doppelt lecker. Eine Spezialität ist allerdings der geräucherte Aal (Paling). 
Etwas abseits davon kann man in vielen kleinen Gassen, wie Het Doolhof und Kerkepad, die schönen Fischerhäuschen bestaunen. Wenn man an die Niederlande denkt und eine typische Tracht vor Augen hat, dann handelt es sich vermutlich um die Tracht von Volendam mit Spitzenhaube und Tuch. Der Ort ist für seine historische Kleidertracht bekannt. Sie wurde auf zahlreichen Gemälden abgebildet und dadurch weltweit berühmt. Zudem unterscheidet sich Volendam von der Umgebung durch seinen eigenen Dialekt. Auch hier gibt es drei Museen. Das Volendams Museum vermittelt die Geschichte des Dorfes. Das Palingsound Museum ist ein winziges Museum über einem Restaurant, welches die Musikgeschichte des Dorfes näher bringt. Und in der Cheese Factory, kann man erleben, wie seit Jahrhunderten Käse hergestellt wird und diesen auch erwerben. 
An einem Verkaufsstand in der Zeestraat kauften wir zum Nachtisch noch das typische niederländische Silvestergebäck. Die sogenannten Oliebollen sind frittierte Hefeteigbällchen mit Rosinen oder Apfelstücken und Puderzucker und erinnern an kleine Krapfen. Köstlich! 

Historisches Erbe im Freilichtmuseum Zaanse Schans

Nur rund zwanzig Kilometer nördlich von Amsterdam befindet sich der Ort Zaanse Schans. Es handelt sich dabei um ein historisches Dorf mit etliche Windmühlen und Holzhäusern aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Das Dorf gleicht einem Freilichtmuseum, ist aber frei zugänglich und viele Häuser sind ganz normal bewohnt. Es können aber auch unterschiedliche Werkstätten und Museen sowie die Mühlen besucht werden. Allerdings muss für bestimmte Gebäude Eintritt gezahlt werden. In der Nebensaison sind zudem einige Museen geschlossen. In der nicht ganz günstigen Zaanse Schans Card (knapp dreißig Euro pro Person) sind aber fast alle Eintritte inbegriffen.
Wir starteten unseren Besuch im Zaans Museum. Es ist ein kulturhistorisches Museum und gibt Informationen über eines der ältesten Industriegebiete Westeuropas. Durch die unterschiedlichen Ausstellungen und der interaktiven Gestaltung war der Besuch für uns sehr kurzweilig und unterhaltsam. Besonders anschaulich gelingt das in der Verkade Experience. Wir befanden uns auf einmal in einer Schokoladen- und Keksfabrik aus dem 20. Jahrhundert. Voll funktionstüchtige Maschinen und interaktive Mitmachmöglichkeiten führten uns durch die Geschichte der Firma Verkade. 
Von dort aus spazierten wir auf das Freigelände. Vorbei an verschiedenen Shops und einem Pfannkuchenrestaurant gelangten wir zum Weberhaus. Hier erfuhren wir etwas über das traditionelle Handwerk der Segelmacherei und über das Leben der Menschen im 18. Jahrhundert. Im Bäckereimuseum aus dem 17. Jahrhundert kann man nicht nur die ursprüngliche Bäckerei und ihre Ausstattung begutachten, sondern auch süße Leckereien kaufen und verkosten. Im Anschluss erreichten wir die Zaan und erkundeten die Mühlen die an ihrem Ufer liegen und spazierten bis zum Mühlenmuseum, welches über den Handel und die Kultur, aber auch über die harte Arbeit und Armut in der Region informiert. 
Auf dem Rückweg besichtigten wir eine Holzsägemühle. Hier wurde sogar vorgeführt, wie die Mühle funktioniert, was uns wirklich beeindruckt hat. Immer wieder kamen wir an kleinen Geschäften vorbei und erreichten das Uhrenmuseum. Im Anschluss spazierten wir entlang des Zonnewijzerspad und einigen alten Wohnhäusern zum Garden Overtuin und von dort aus an der Fassbinderei vorbei zu einem letzten Highlight. Im Lagerhaus befindet sich der Klompenmaker. Die Welt der Holzschuhe wird hier veranschaulicht, wir konnten einem Holzschuhmacher in der Werkstatt über die Schulter schauen und am Ende erreichten wir einen großen Verkaufsladen. 
Für einen Besuch sollte man einen ganzen Tag einplanen, wenn man sich die unterschiedlichen Museen und das Freigelände anschauen möchte. Wir waren am Ende des Tages ganz schön erledigt von den vielen Eindrücken und den gelaufenen Kilometern.

Citytrip nach Alkmaar

Besonders gut gefallen hat uns der Ausflug nach Alkmaar. Auch hier ist vor allem der Käsemarkt im Sommer eine beliebte Attraktion. Im Winter erfreuten wir uns an der sehenswerten Altstadt und die vielen Geschäfte und Cafés und Bars. Schmale Grachten und enge Gassen führen durch die historische Altstadt.  

Auch Alkmaar kann auf eine lange und bewegte Geschichte zurückblicken. Bereits die Römer waren hier und richteten einen Handelsplatz ein. Seit dem 13. Jahrhundert erhielt Alkmaar Stadtrechte und der Handel blühte regelrecht auf. Aber auch Kriege wurden hier geführt und die Alkmaarder besiegten im Achtzigjährigen Krieg im 16. Jahrhundert die spanische Armee, was heute noch am 8. Oktober gefeiert wird.
Aufgrund des schlechten Wetters suchten wir schon bald durchgefroren eine Bar auf in der wir auch noch etwas essen konnten. Wir ließen den Abend dort gemütlich ausklingen. 

Ruhe und Erholung in Bergen aan Zee

Wir waren zwar nicht verkatert, denn unser Silvester fand ruhig in unserer Unterkunft statt, aber wir entschlossen uns dennoch an Neujahr direkt ans Meer zu fahren. Die Wahl fiel auf Bergen aan Zee. Hier genossen wir die raue Nordsee, den endlosen Strand und die herrlich frische Luft. 
Wir beobachteten Wagemutige, die sich der Tradition nach zum Neujahrsschwimmen in die kalten Fluten stürzten. Brr, nichts für uns. Wir kehrten lieber nach diesem langen Strandspaziergang in eines der hübschen Strandcafés (Soul Beach) ein und wärmten uns bei einem heißen Getränk wieder auf. 
Südlich von Bergen aan Zee befindet sich das Noordhollands Duinreservaat. Weiter nördlich befinden sich die Schoorlse Duinen. Beide Regionen sind beliebte Wander- und Radfahrgebiete. 

Die Alternative zu Amsterdam - Haarlem

Auch die Provinzhauptstadt Noord-Hollands, Haarlem, ist einen Besuch wert. Sie wird auch das kleine Amsterdam genannt und ist eine typische niederländische Stadt mit vielen historischen Gebäuden und hübschen Ecken.
Wir fühlten uns in dieser entspannten Stadt gleich wohl. Wir schlenderten durch die Gassen, entdeckten die versteckt liegenden Hofjes und spazierten vorbei an prachtvollen Gebäuden. Die historischen Altstadt vermitteln einen besonderen Charme. Der Grote Markt mit der St. Bavo Kirche und dem Stadhuis ist der zentrale Platz. Die gotische Sint Bavo-Kirche, auch Grote Kerk genannt, wurde im 15. Jahrhundert erbaut und beheimatet die berühmte Müller-Orgel, auf der Mozart bereits spielte. Aber auch ein Spaziergang entlang der Grachten war wunderschön. Am Fluss Spaarne steht ein Wahrzeichen der Stadt, die Windmühle De Adriaan, ein tolles Fotomotiv. 

Eines durfte bei unserem Besuch in Haarlem allerdings nicht fehlen - etwas zu essen und zu trinken. Dafür kehrten wir in eine besondere Brauerei ein. Die Jopen Brauerei ist in einem ehemaligen Gotteshaus untergebracht und es ist wirklich ein Erlebnis in der Jopenkerk zu verweilen. 

Die historische VOC Stadt Hoorn

Unsere letzte Stadtbesichtigung unternahmen wir in Hoorn. Auch hier erwartete uns ein historischer Stadtkern mit zahlreichen sehenswerten Gebäuden und einem schönen Hafengebiet. An den herrschaftlichen Bauten kann man den ehemaligen Reichtum der Stadt erahnen, denn Hoorn verfügte über einen der wichtigsten Häfen in der Zuiderzeeregion. Der Handel mit fernöstlichen Kolonien florierte und brachte viel Geld in die Stadt. Er war einer der Heimathäfen der Vereinigten Ostindischen Kompanie (VOC), welche eines der größten Handelsunternehmen im 17. und 18. Jahrhundert war. Die Erinnerung an die Seefahrer ist hier überall zu spüren und so ist es nicht verwunderlich, dass der südlichste Punkt Südamerikas den Namen dieser Stadt trägt - Kap Hoorn. 
Der Hoofdtoren aus dem 16. Jahrhundert diente früher zur Verteidigung der Stadt und ist ein markantes Gebäude im Hafen. Der Hauptplatz in der Altstadt ist der Roode Steen. Hier befindet sich auch De Waag, ein sehenswertes Gebäude aus dem 17. Jahrhundert. Eine weiteres sehenswertes Gebäude mit seiner hübschen Fassade, ist das Statenpoort oder auch Statenlogement, welches uns direkt ins Auge fiel. Das einzig noch erhalten Stadttor ist das Oosterpoort. Es stammt aus dem 16. Jahrhundert und bildete lange Zeit den einzigen Zugang zum östlichen Teil Hoorns. Nach diesem ausführlichen Stadtrundgang wärmten wir uns in einem gemütlichen Café auf und ließen den Abend in einer Bar ausklingen. 

Unterkunft

Wir waren diese Mal nicht mit dem Camper unterwegs, sondern mit einem normalen PKW und hatten uns über Airbnb eine Unterkunft auf einem traditionellen niederländischen Bauernhof in Schellinkhout gebucht. Die Unterkunft "Huize Weltevree" hat uns sehr gut gefallen. Unsere sympathische Gastgeberin hat uns herzlich begrüßt. Das Apartment war großzügig und wir haben uns hier rundum wohl gefühlt. Das Frühstück war zum Teil typisch niederländisch, hat uns aber immer geschmeckt. Auf dem Hof leben außerdem verschiedene Tiere wie Alpakas, Pferde, Enten Katzen und Hunde. 

Conclusie

Auch im Winter kann man viel entdecken und die sonst im Sommer vielleicht überlaufenen Sehenswürdigkeiten und Reiseziele in einer gemütlicheren und entspannteren Atmosphäre genießen. Auch wenn das Winter nicht immer mitspielt, gibt es zahlreiche Möglichkeiten eine Region zu entdecken. Gerade Museen sind eine tolle Alternative, um mehr über eine Stadt, eine Region und die Geschichte zu erfahren. Wir haben es nicht bereut auch einmal im Winter auf Entdeckungsreise zu gehen und werden das mit Sicherheit wiederholen. 
Auch die Niederlande hat uns nicht das letzte Mal gesehen. So hat dieses Land doch so viel zu bieten und wir haben noch längst nicht alles gesehen. 

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Kommentare: 2
  • #1

    Michael (Montag, 06 April 2026 08:20)

    Hallo Jessica,
    ich bin durch Zufall auf deine Seite gestolpert und habe deinen Hinweis gelesen, dass wohl niemand deinen Blog kommentiert. Somit weiter zu deinem Blog, kurz drüber und ich seh' wunderschöne Fotos von dir. Auch die Dinge, die du wohl ausführlich beschreibst, scheinen interessant zu sein. Du hast dir sehr viel Zeit genommen und freue ich mich bereits darauf in nächster Zeit bei dir zu "schmöckern".
    Da ich sehe, dass du noch unterwegs bist, wünsche ich dir weiterhin viel Spaß und Freude beim bloggen.

    Liebe Grüße in die Ferne,
    Michael

  • #2

    Jessica Dehn (Dienstag, 07 April 2026 18:53)

    Hallo Michael,
    das freut mich sehr zu hören. Viel Spaß beim Schmökern. Ich freue mich über ehrliches Feedback.
    Viele Grüße
    Jessica