Ein lang gehegter Traum wurde im Herbst 2024 endlich erfüllt. Bereits vor einigen Jahren sprachen wir darüber Südafrika zu bereisen, aber dann kam Corona
dazwischen und die Pläne verschwanden wieder aus unseren Köpfen. Anfang des Jahres fassten wir den Entschluss die Reise nun endlich in Angriff zu nehmen und legten mit den Planungen
los.
Was wollten wir in der kurzen Zeit, die uns zur Verfügung stand, alles sehen? Wie wollten wir uns fortbewegen und wo übernachten? Schnell wurde klar, dass wir uns nur auf eine Region beschränken
konnten. Die Wahl fiel auf Kapstadt und Umgebung sowie die Garden Route. Ein typisches Ersttäterprogramm also. Das machte es uns leicht, denn die bekanntesten
Sehenswürdigkeiten sollten auch auf unserer Liste stehen. Neben den Flügen, buchten wir auch den Mietwagen und die Unterkünfte bereits im
Vorfeld über das Reisebüro Rosenheimer Reiseservice aus Deutschland. Somit stand der Reise nichts mehr im Wege und wir verharrten den Sommer über in freudiger Erwartung endlich das
andere Ende der Welt zu erkunden.
Tipps An- und Abreise
Anfahrt zum Flughafen:
Mit dem Auto ging es Richtung Münchner Flughafen. Bereits in der Vergangenheit hatten wir gute Erfahrungen mit dem Parkservice Bauer in Oberding gemacht. Unser Auto konnten wir dort für die
nächsten zwei Wochen in einer großen Halle unterbringen. Wir wurden gemütlich mit dem Shuttle-Service direkt zum Flughafen gebracht und am Rückreisetag auch wieder abgeholt.
Flüge:
Die Flüge haben wir natürlich vorab gebucht. Da der Termin unseres Urlaubs nicht flexibel war, erwischten wir keine Direktflüge, sondern hatten auf dem Hinflug von München einen Zwischenstopp in
Frankfurt bevor es über Nacht weiter nach Kapstadt ging. Auf dem Rückflug, den wir von Port Elizabeth starteten, gab es sogar zwei Stopps. Einmal in Johannesburg, über Nacht ging es dann wieder
nach Frankfurt und am nächsten Morgen noch bis nach München. Die Nachtflüge empfanden wir als sehr angenehm, denn mit ein wenig Schlaf, konnten wir am nächsten Tag wieder voll durchstarten. Der
Vorteil, dass es zwischen Deutschland und Südafrika keine Zeitverschiebung gibt, spielte uns ebenfalls in die Karten. Beide Reisetage erwiesen sich alles völlig unproblematisch und es klappte
alles wie geplant.
Sim Karten:
Am Flughafen in Kapstadt angekommen, war unser erstes Ziel nachdem wir unsere Koffer hatten, der Stand von Vodacom. Hier erwarben wir zwei Sim Karten für unsere Handys. Es gibt spezielle Travel
Sim Bundles, die dreißig Tage gültig sind und je nach Datengröße von 300 bis 700 Rand kosteten. Für uns haben sich 5GB als ausreichend herausgestellt. Wir haben damit navigiert, Adressen und
Sehenswürdigkeiten im Netz herausgesucht und Bilder gepostet. Wichtig zu erwähnen sind die Airtime Beträge, die ebenfalls im Bundle dabei sind. Airtime ist die Gesprächszeit, die ich mit meinem
Handy habe. Wir haben ein paar Mal telefonieren müssen, sei es Abstimmung mit dem Kreditkartenunternehmen oder um Reservierungen zu tätigen oder Bestätigungen einzuholen.
Bargeld:
Apropros Kreditkarte. Nachdem wir uns die Sim Karten gekauft hatten, die wir mit Kreditkarte zahlten, ging es weiter zum Geldautomaten, denn wir wollten uns zumindest ein wenig südafrikanische Rand holen, damit wir kleinere Beträge wie Trinkgelder bar bezahlen konnten. 2000 Rand (in möglichst kleinen Scheinen) sollten ausreichend sein. Bei unserer Recherche hatten wir uns einen Anbieter herausgesucht, dessen Gebühren recht gering sein sollten. Also suchten wir nach einem Automaten der Standard Bank. Wichtig ist, Geld immer in der jeweiligen Landeswährung abzuheben, in unserem Fall also Rand, um Gebühren zu sparen. Nur leider hatten wir gleich die ersten Probleme. Unsere Transaktion wurde abgebrochen, weil die Kreditkarte gesperrt war, was wir da allerdings noch nicht hundertprozentig wussten.
Mietwagen:
Das bestätigte sich auch gleich an unserer nächsten Station - dem Mietwagenverleih. Auch hier wurde unsere Karte nicht mehr akzeptiert. Zum Glück hatten wir noch eine weitere Karte dabei, mit der dann alles reibungslos funktionierte. Es wurde ein Betrag auf der Karte geblockt, wir erhielten die Autoschlüssel, den Mietvertrag und eine Stellplatznummer auf der sich unser Wagen befand. Wir erhielten keinerlei Einweisung und starteten mit einem etwas mulmigen Gefühl in das Abenteuer Linksverkehr. Die Bedienung des Autos war selbsterklärend, auch wenn wir beim Blinken häufiger den Scheibenwischer betätigten als den eigentlichen Blinker, aber auch das wurde die nächsten Tage besser. Als Tipp können wir noch mitgeben nicht unbedingt bei den großen Anbietern zu buchen. Wir hatten über Sunny Cars gebucht und konnten unser Auto beim Partnerbetrieb Bluu Car Rental abholen. Hier kamen wir sofort an die Reihe während sich bei den anderen bekannten Anbietern lange Warteschlangen bildeten.
Kreditkarte:
Wir haben eine Visa Karte von Barclays mit der wir in Europa bisher keinerlei Probleme hatte. Tipps, die Auslandsreise vorab beim Kreditkarteninstitut anzumelden, nahmen wir an, auch wenn dies
eigentlich nicht mehr nötig ist. Aber dennoch wurde die Karte bereits nach der ersten Zahlung (Sim Karten Kauf bei Vodacom) gesperrt. Es sollte einige Tage, Nerven und Telefonate kosten bis wir
sie wieder entsperrt bekamen. Problem war, dass wir nun eine südafrikanische Handynummer hatten und uns nicht mehr verifizieren konnten. Nachdem die Karte nach der nächsten Bezahlung erneut
gesperrt wurde, stand für uns fest, dass uns diese Karte nicht mehr auf Auslandsreisen begleiten würde. Auch dieses Problem konnten wir lösen, aber es war extrem nervig. Daher keine Empfehlung
von uns für die Barclays Karte. Mit der Visa Karte von ING Diba gab es hingegen während der gesamten Reise überhaupt keine Probleme.
Uber:
Eine perfekte Fortbewegungsmöglichkeit in Südafrika ist Uber. Uber ist ein weltweit agierender Fahrdienst-Vermittler der über eine App funktioniert. Es
gelten Festpreise und wird bargeldlos per Kreditkarte bezahlt. Oftmals ist Uber günstiger als herkömmliche Taxis. Es gibt kontroverse Stimmen zu dem Unternehmen. Sicherheit ist ein Aspekt und man
sollte immer die Fahrerdaten abgleichen. Es heißt aber auch, dass die Fahrer ausgenommen werden und vom Fahrpreis nur einen Bruchteil erhalten. Bei starker Nachfrage, gerade Abends in den Städten
kann es auch zu längeren Wartezeiten kommen. Wir haben grundsätzlich nur positive Erfahrungen gemacht. Unsere Fahrer haben uns sicher von A nach B gebracht und ein zusätzliches Trinkgeld von uns
erhalten.
Sicherheit:
Die Armut ist in Südafrika allgegenwärtig. So führt bereits die Anfahrt vom Flughafen in die Stadt direkt an einem Township vorbei. Die überall im Internet oder in Reiseführern zu lesenden Sicherheitshinweise sollte man ernst nehmen, aber es gibt keinen Grund seinen Urlaub in Angst zu verbringen. Viele Unterkünfte waren stark gesichert. Bei unseren Besuchen auf Weingütern gab es immer einen Wachmann, der kontrollierte wer ein und aus fuhr. Wir haben nicht eine brenzlige Situation erlebt, aber uns auch an einige Regeln gehalten. Darunter zählen keine Wertsachen offen zur Schau zu stellen, auch für kurze Strecken vor allem im Dunkeln stets Uber zu nutzen und natürlich nicht auf eigene Faust in nicht touristische Gebiete wie die Townships zu gehen. Was jedem Reisenden bewusst sein sollte, die Schere zwischen Arm und Reich klafft in Südafrika weit auseinander und ist oft zu spüren.
Seapoint - Unterkunft für die nächsten Tage
Nachdem wir die erste Autofahrt im Linksverkehr und durch die vielbefahrenen Straßen Kapstadts ganz gut meisterten, checkten wir für die nächsten Tage in unserer Unterkunft der Villa Rosa im Stadtteil Sea Point ein. Wir wurden herzlich von Chelsea begrüßt und uns wurde gleich alles gezeigt. Außerdem erhielten wir Tipps für unseren ersten Erkundungsspaziergang. Ein paar Tage später lernten wir auch Steven kennen, der uns ebenfalls mit sehr nützlichen Tipps versorgte.
Unser Zimmer lag etwas abseits in einem Patio mit eigener kleinen Terrasse. Von der Durchgangsstraße direkt vorm Hotel haben wir nicht viel mitbekommen. Wir fühlten uns rundum wohl. Am Morgen
ließen wir uns das reichhaltige Frühstück schmecken bevor wir gestärkt in abwechslungsreiche Tage starteten.
Wir machten uns nach dem langen Flug und der Aufregung in einem neuen Land angekommen zu sein, etwas frisch und begaben uns auf einen ersten Erkundungsgang. Die Villa Rosa ist
nur wenige Gehminuten von der Sea Point Promenade entfernt und so waren wir in wenigen Schritten direkt am Südatlantik. Wenn da kein Urlaubsfeeling
aufkommt!
Irgendwann bekamen wir Durst und Hunger und begaben uns zum in der Nähe gelegenen Mojo Market, der eine Art Streetfood Markt mit Bars und Livemusik ist. Zur Beruhigung gönnten
wir uns erst einmal ein Bier und mussten feststellen, dass es auch in Südafrika tolle Craft Bier Brauereien gibt. Von der Essensauswahl waren wir allerdings überfordert. Es gab eine so große
Auswahl, dass es uns schwer fiel etwas auszusuchen. Von unserer Unterkunft hatten wir den Hinweis erhalten das Restaurant The Greek Fisherman auszuprobieren. Gesagt, getan. Nur
wenige Schritte weiter hatten wir das Restaurant erreicht und aßen gut zu Abend.
Kirstenbosch National Botanical Garden
Am nächsten Morgen starteten wir direkt nach dem Frühstück und fuhren mit dem Mietwagen zum Kirstenbosch National Botanical Garden. Er befindet sich genau auf der anderen Seite des Tafelbergs und so fuhren wir rund vierzig Minuten mit dem Auto auf der Schnellstraße durch Kapstadt dort hin. Der Parkplatz war noch so gut wie leer und wir konnten gleich den Eintritt von 230 Rand (ca. 12 Euro) pro Person zahlen und in den Park spazieren. Die schiere Größe überraschte uns und wir verbrachten einige Stunden, um die verschiedensten Bereiche zu erkunden. Besonders sehenswert und ein tolles Fotomotiv ist der Tree Canopy Walkway, einer Art Baumwipfelpfad auf bis zu elf Meter Höhe mit sensationellen Ausblicken.
Der botanische Garten gilt als einer der schönsten der Welt. Er wurde 1913 gegründet und dient noch heute dem Schutz der einheimischen Pflanzenwelt. Die Kapregion ist
bekannt für den Fynbos oder auch für die Nationalpflanze, die Protea. Auf dem riesigen Areal sind Pflanzen auf verschiedenen Höhen zu finden, was diese
einzigartige Pflanzenvielfalt begünstigt. Zudem starten einige Wanderwege aus dem Garten, zum Beispiel der Skeleton Gorge, der in rund vier Stunden auf den
Tafelberg hinaufführt.
Wir waren fasziniert von der einzigartigen Pflanzenwelt und die Zeit verging im Fluge. Zur Mittagszeit wurde es immer voller und wir entschlossen weiterzuziehen. Rückblickend war es eine gute
Idee bereits früh am Morgen zu starten und so einigermaßen allein durch den Park zu wandeln.
Weinanbaugebiet Constantia
Da wir uns bereits auf dieser Seite des Tafelbergs befanden, beschlossen wir ins Weinanbaugebiet Constantia zu fahren. Es gibt unzählige Weingüter, unsere Wahl fiel zunächst auf das ältestes Weingut Südafrikas - Groot Constantia, welches seit 1685 Wein produziert. Bevor wir auf das Weingut fahren konnten, wurden wir von einem Wachmann angehalten, der uns nach dem Grund unseres Besuches fragte. Soviel sei bereits gesagt, das passierte bei fast allen Weingütern, die wir im Laufe unserer Reise besuchten, was uns zunächst befremdete, bald aber schon normal war.
Auf einem großen Parkplatz stellten wir unser Auto ab und begaben uns zunächst in einen hübschen Verkostungsraum. Nach kurzer Stippvisite entschieden wir uns gegen eine Weinprobe und spazierten weiter an Weinreben entlang, durch ein Tor und durch eine mächtige Eichenallee direkt auf das Herrenhaus im kapholländischen Stil zu. Hier befindet sich heute ein Museum mit Informationen und Einrichtungen aus dem 18. Jahrhundert und der Geschichte des Weinguts. Hinter dem Manor House befindet sich der Weinkeller in dem sich ein Weinmuseum befindet sowie ein Restaurant. Auf dem Rückweg passierten wir das Jonkershuis, in dem sich ein weiteres Restaurant befindet. Im darauffolgenden Gebäude wurden wir in eine kleine Kunstaustellung mit Gemälden von heimischen Künstlern gebeten. Auf dem Rückweg zum Parkplatz fiel uns der große rote Doppeldeckerbus auf, der Besucher auf einer der Hop-on Hop-off Touren auch zu den Weingütern brachte und Groot Constantia zu einer der meistbesuchten Touristenattraktionen Kapstadts macht. Rundum hat uns der Besuch nicht so ganz gefallen. Irgendwie sprang der Funke nicht über und es war doch sehr touristisch und distanziert.
Wir bekamen Hunger und zögerten nicht lang ein weiteres Weingut zu besuchen. Die Wahl fiel auf das Weingut Buitenverwachting. Bereits die Anfahrt war wunderschön und führte uns direkt durch die Weinberge über weitläufiges Gelände. Auf dem Parkplatz ergatterten wir einen der letzten freien Stellflächen. Bei einem kleinen Spaziergang über das übersichtliche Gelände kamen wir an einem Restaurant, einem Café und einem kleinen Laden mit hübschem Schmuck und Accessoires vorbei und umrundeten anschließend eine große Picknickwiese vor dem Weinkeller. Auf der Terrasse waren bereits alle Tische belegt, aber auf Nachfrage wurden wir in einen hübschen Hinterhof mit Blick auf die Weinreben geführt. Sei es unseren Englischkenntnissen oder unserem Auftreten geschuldet, wir wurden gleich als Deutsche entlarvt. Uns beriet eine deutsche Bedienung, die von der Insel Juist kam. Bei einem tollen Service und der Empfehlung von wunderbaren Weinen erfuhren wir nebenbei noch einiges über das Weingut und seine Geschichte.
Ursprünglich gehörte der Hof zum Constantia Estate und wurde dann verkauft und wechselte immer wieder den Besitzer. Seit den 1980er Jahren ist das Weingut im Besitz einer Hamburger Familie, welche die Gebäude restaurierte und erfolgreiche Weine produziert. Wir fühlten uns auf dem familiären Weingut gleich wohl und können einen Besuch nur weiterempfehlen.
Auch unseren Hunger konnten wir mit einer sehr schmackhaften Platte mit regionalen Leckereien stillen. Dazu gab es eine kleine Weinprobe mit ausgewählten Weißweinen, die uns sehr mundeten.
Chapman´s Peak Drive
Damit war der Tag allerdings noch nicht zu Ende. Über den Ou Kaapse Weg (Route M64), einem Gebirgspass, der die südlichen Vororte Kapstadts mit dem Fish Hoek Valley verbindet,
fuhren wir vorbei an den Steenberg-Bergen und dem Silvermine Naturschutzgebiet bis nach Noordhoek. Dort trafen wir uns mit Freunden in der Aegir Project Brauerei. Da wir bereits
zu Mittag gegessen hatten, mussten wir auf die lecker aussehenden Burger verzichten und starteten schon bald die Weiterfahrt.
Dieses Mal fuhren wir direkt an der Küste entlang auf einer der schönsten und spektakulärsten Küstenabschnitte der Welt. Die Fahrt führte uns über den nur neun Kilometer
langen berühmten Chapman´s Peak Drive. Die Mautstraße schlängelt sich 150 Meter über dem Meer in 114 Kurven zwischen Fels
und Abgrund entlang. Immer wieder hielten wir an und erhielten sensationelle Ausblicke auf die Landschaft und das Meer. Gleich zu Anfang parkten wir an einem schmalen
Aussichtspunkt am Noordhoek Beach mit seinem wahnsinnig schönen Sandstrand. An vielen Parkbuchten fanden sich Händler, die die von Touristen stark
frequentierte Strecke nutzten, um ihre Waren feilzubieten.
Erbaut wurde der Chapman´s Peak Drive zwischen 1915 und 1922 und galt viele Jahrzehnte lang als nicht sehr sicher. Immer wieder kam es zu Felsabbrüchen und Unfällen. Ende 2003 wurde die Straße nach fast zwei Jahren Sanierung wieder eröffnet und gilt nunmehr als sicher und wird nur noch bei extremen Wetterverhältnissen gesperrt. Kurz vor Hout Bay befindet sich eine Mautstation bei der pro Fahrt 42 Rand (rund 2 Euro) zu zahlen sind, die aber gut angelegt sind, denn die Aussichten sind einfach spektakulär. Auf einer eigenen Webseite kann geprüft werden, ob die Straße geöffnet ist.
Nach einer kurzen Erfrischung und Erholung im Hotel fuhren wir am Abend zu viert zur V&A Waterfront, dem touristischen Hafenviertel Kapstadts. Da es bereits dunkel war begnügten wir uns mit einem kleinen Spaziergang und machten uns dann auf die Suche nach einem Restaurant. Die meisten Restaurants waren überfüllt, wir ergatterten dennoch einen Platz in einem typischen Touristenrestaurant. Eng an eng saßen wir in einem großen Raum. Der Service war aber erstaunlich auf Zack und wir mussten nicht lange auf Getränke und unser Essen warten. Das Essen selber war ok, aber nicht herausragend und recht teuer. Eine afrikanische Tanzgruppe kam herein und bot eine kurze Gesangs- und Tanzeinlage im Karibu Restaurant, bevor sie vermutlich zum nächsten Restaurant weiterzog.
Wir besuchen Pinguine
Vorbei an den 12 Aposteln, einer markanten Bergkette in Camps Bay, fuhren wir am nächsten Tag erneut über den Chapman´s Peak Drive Richtung Kap-Halbinsel. Unser
erster Stopp war das hippe Fischerörtchen Kalk Bay. Es überraschte uns mit attraktiven Geschäften und einer kreativen Kunstszene. Neben Buchhandlungen fanden wir
auch Antiquitätenläden vor. Viele Cafés, Bars und Restaurants bieten sich für eine entspannte kulinarische Pause an.
Weiter ging es nach Simon´s Town beziehungsweise zum Boulders Beach und Foxy Beach zu einer weltberühmten Pinguin Kolonie. Ein
wunderschöner Strand mit großen, runden Granitfelsen ist die Heimat einer stark bedrohten Tierart, dem afrikanischen Brillenpinguin. Sie gehören zu den einzigen noch in freier
Wildbahn lebenden Pinguine Afrikas. Sie können aber nur noch an wenigen Stellen beobachtet werden und der Bestand geht gerade in Südafrika aufgrund verschiedenster Umwelteinflüsse massiv zurück.
Seit 2024 ist die Tierart vom Aussterben bedroht.
Die Sicht auf die Kolonie kann über angelegte Holzstege erreicht werden. Von einer Plattform aus, lassen die Tiere sich beobachten. Aktuell wird eine Gebühr
von 245 Rand (fast 13 Euro) pro Person für die Wartung und den Schutz der Tiere erhoben. Es war einiges los und auf der Aussichtsplattform drängten sich die Menschen um die beste Sicht auf die
Pinguine zu haben. Dennoch war es ein wunderbares Schauspiel diese faszinierenden Tiere in der freien Natur zu erleben.
Auf dem Weg zum Kap der guten Hoffnung
Unsere Fahrt endet hier aber noch nicht. Wir fuhren immer weiter Richtung Süden zur Spitze der Kap-Halbinsel in das Cape Point Nature Reserve. Auch hier wurde
Eintritt fällig und wir standen einige Zeit vor der Bezahlstation im Stau bevor es weiterging.
Einen Stopp legten wir am Leuchtturm am Cape Point ein. Vom Parkplatz spazierten wir in etwa dreißig Minuten zum Leuchtturm hinauf. Nach diesem schweißtreibenden Aufstieg
genossen wir den herrlichen Rundumblick bei nahezu Windstille. Eine einfachere Möglichkeit nach oben zu kommen ist die Standseilbahn, die für einen kleinen Betrag genutzt
werden kann.
Nur wenige Autominuten entfernt befindet sich das sagenumwobene Cape of Good Hope - Kap der Guten Hoffnung. Es ist ein wegen seiner markanten Felsen und Klippen
bekanntes, früher bei Segelschiffen oft gefürchtetes Kap. Nach einer Straußen und Eland-Antilopen Sichtung direkt am Straßenrand ergatterten wir einen der
letzten Parkplätze vorm bekannten Schild am südwestlichsten Punkt Afrikas. Richtig, es ist der südwestlichste Punkt Afrikas und nicht der südlichste. Der südlichste Punkt
befindet sich etwa einhundertfünfzig Kilometer weiter am Kap Agulhas. Das obligatorische Foto durfte natürlich nicht fehlen und erforderte etwas Geduld bei der Vielzahlen an Touristen. Uns zog es
bald weiter.
Wir hatten Hunger und auf dem Rückweg nach Kapstadt kamen wir an einer kleinen versteckt liegenden Brauerei vorbei. Hier ließen wir uns gegrillte
Burger und frisch gezapftes Bier schmecken. Die Lakeside Brewing Co. ist über einen holprigen Weg erreichbar und befindet sich mitten in der Natur. Der
hübsche und gemütliche Biergarten war gut besucht und bot für uns eine perfekte, wenn auch etwas verspätete Mittagspause.
Abermals befuhren wir den Chapman´s Peak Drive und waren immer noch erstaunt über diese unglaubliche Landschaft. Nach diesem tagesfüllenden Programm kamen wir müde aber voll von neuen Eindrücken
wieder in unserer Unterkunft in Sea Point an.
Unterwegs in Kapstadt
Der nächste Morgen startete leider mit Regen. Dennoch wollten wir den Tag nicht ungenutzt lassen und begaben uns ins Stadtzentrum von Kapstadt. Einen ersten
Stopp machten wir in Bo-Kaap, einem farbenfrohen Stadtteil Kapstadts. Leider kamen die bunten Häuser bei dem grauen Himmel nur halb so schön rüber. Das
sogenannte Malaien-Viertel ist eines der meistfotografierten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Aber auch die Geschichte ist interessant. Im 19. Jahrhundert wurden viele Unterkünfte
das neue zu Hause für ehemalige, meist muslimische Sklaven. Noch heute prägen sie diesen Stadtteil.
Vom Bo-Kaap Viertel ging es für uns in die Innenstadt. Wir spazierten die Long Street entlang und erreichten den Greenmarket Square. Unser Weg
führte uns durch den Company´s Garden. Besonders sehenswert ist die City Hall mit einer Statue von Nelson Mandela. Genau hier hatte er 1990
seine Freiheitsrede vor hunderttausend Menschen gehalten.
Leider spielte das Wetter nicht mit und Regenschauer unterbrachen immer wieder unsere Sightseeing Tour, sodass wir nur Teile der Innenstadt anschauten.
Bevor es uns zur V&A Waterfront zog, machten wir mit dem Auto noch einen Abstecher auf den Signal Hill. Er ist ein markanter Berg mit flachem Gipfel und bietet eine tolle
Aussicht auf die Waterfront und die dahinter liegende Bucht. Wir nutzten eine kurze Regenpause für diesen Panoramablick über die Stadt. Den Tafelberg bekamen wir aufgrund
der tiefhängenden Wolken allerdings nicht zu Gesicht.
In der V&A Waterfront spazierten wir ein wenig über das Außengelände und begaben uns im Anschluss in das riesige Einkaufszentrum. Hier vertrieben wir uns die Zeit. Einem Tipp folgend stellten wir uns in die lange Schlange zu einem Sushi Restaurant. Ein kostenloses Gläschen Wein machte die Wartezeit erträglicher. Und es hat sich gelohnt. Das Willoughby & Co. ist ein
japanisches Restaurant, welches für seine Fusionsküche bekannt ist. Ein kulinarisches Erlebnis.
Am Abend erwartete uns noch ein Highlight, wenn auch verregnet und recht kalt. Wir besuchten im für die Fußball-Weltmeisterschaft 2010 erbauten DHL Stadium ein
Konzert der amerikanischen Country Band Zac Brown Band, welche im Zuge des Cape Town Country Music Festivals auftraten. Die Musik der Band begleitet uns seit
unserem Roadtrip durch den Südwesten der USA. Auch die Vorband Brothers Osborne war mitreißend und brachte uns trotz des Wetters in Stimmung.
Wir hatten Karten für die Tribüne, da aber, vermutlich aufgrund des Wetters, viel weniger Leute da waren, konnten wir in den Innenraum wechseln und erlebten die Zac Brown Band direkt vor der
Bühne.
Den Abend ließen wir in einem tollen Restaurant, dem Bouchon Bistro ausklingen. Es befindet sich in den Räumlichkeiten eines Weinguts mitten in der Stadt. Im
Tapas Stil wurden uns kleine Köstlichkeiten kredenzt. Dazu ließen wir uns hervorragenden südafrikanischen Wein schmecken. Was für ein Tag!
Der geplante Besuch des Tafelberges fand aus mehreren Gründen nicht statt. Die Tafelberg-Seilbahn fährt beispielswiese nicht bei zu starkem Wind. Bei Regenwetter macht es keinen
Sinn, da man nichts sieht. Am einzigen sonnigen und perfekten Tag gab es einen Brand an der unteren Seilbahnstation. Rund 400 Menschen mussten vom Tafelberg evakuiert werden und wir waren
heilfroh, dass wir nicht mit einer der ersten Bahnen hochgefahren waren. Die Bahn fuhr dann allerdings für einige Zeit gar nicht mehr.
Wein in Stellenbosch und Umgebung
Nach den Tagen in Kapstadt zog es uns weiter. Wir entflohen nicht nur dem schlechten Wetter, sondern wollten auch etwas neues Entdecken. Wir fuhren in die Cape Winelands nach
Stellenbosch. Wir checkten in unserem vorab reservierten familiären B&B ein, machten uns frisch, bestellten ein Uber und ließen uns zum nicht weit entfernten
Weingut Kleine Zalze bringen. Dort genossen wir bei herrlichem Sonnenschein eine ausgiebige Weinprobe. Die gesamte Anlage des Weinguts war wunderschön und ein
kleiner Spaziergang brachte uns die herrliche Landschaft näher.
Am Abend ließen wir uns noch in die Stadt Stellenbosch fahren. Sie ist umringt von einer herrlichen Berglandschaft und bedeutenden Weinanbaugebieten. Stellenbosch ist einer der ältesten von Europäern gegründeten Orte Südafrikas. Die Niederländische Ostindien-Kompanie (welche uns auch auf unserer Reise nach Nordholland begegnete) besiedelte die Kapregion ab Mitte des 17. Jahrhunderts. Noch heute sind viele Häuser aus dieser Zeit im kapholländischen Stil im Stadtkern zu sehen, wie beispielsweise auch die älteste Kirche, die Moederkerk, die 1772 erbaut wurde. Leider blieb es für uns nur bei diesem kleinen Streifzug durch die Stadt, aber der erste Eindruck war schon einmal toll. Im Burgerrestaurant Hudsons ließen wir uns saftige Burger und zur Abwechslung ein erfrischendes Bier schmecken.
Unsere bezaubernde Unterkunft befand sich in einem wunderschönen und familiären Gästehaus namens Penelope´s Stellenbosch. Wir wurden herzlich
aufgenommen und genossen die entspannte Zeit dort sehr. Neben unserem schön eingerichteten Zimmer mit Balkon stand uns auch eine kleine Küche im oberen Bereich des Hauses zur
Verfügung, sodass wir uns auch am Abend mal etwas warm machen konnten. Das reichhaltige Frühstück war zudem der perfekte Start in den Tag. Penelope fragte uns jeden Morgen nach
Extrawünschen. Hinter dem Haus befindet sich ein Pool, der ebenfalls genutzt werden kann und die hübsche Terrasse lädt zum Verweilen ein. Der Garten ist eine
Blütenpracht und wird gehegt und gepflegt. Auch die Stubentiger schlossen wir gleich in unser Herz.
Solltet ihr in der Region eine Übernachtungsmöglichkeit suchen, seit ihr bei Penelope und ihrem Mann in den besten Händen. Die Unterkunft liegt etwas außerhalb von Stellenbosch, aber die Stadt
und viele Weingüter sind in nur wenigen Fahrminuten zu erreichen.
Rund ums Weingebiet - die Vier Pässe Tour
Die nächsten Tage besuchten wir zahlreiche Weingüter. Dabei musste es nicht immer nur um den Wein gehen. Entlang der sogenannten Vier-Pässe-Tour, die wir mit dem
Mietwagen befuhren, lagen einige besondere Weingüter. Neben hervorragenden Restaurants konnten wir vor allem große Gärten und traumhafte
Parkanlagen bestaunen.
Unsere Tour führte uns über den Sir Lowry´s Pass, den Viljoen Pass, den Franschhoek Pass und schlussendlich über den Hellshoogte Pass zurück nach Stellenbosch. Wir genossen die herrliche
Landschaft und die wunderbaren Aussichten.
Ein besonders faszinierendes Weingut ist das Vergelegen in Somerset West. Es zählt nicht nur zu den beliebtesten und sehenswertesten Weingütern in der Region, sondern
produziert auch hervorragende Weine.
Wir begnügten uns bei unserem Besuch mit einem Rundgang über die über 300 Jahre alte Anlage. Wir passierten herrliche Gebäude und wunderschön angelegte Gärten.
Die Zeit verging wie im Flug, soviel gab es dort zu entdecken. Eine Pause legten wir im gemütlichen Rose Terrace Restaurant ein und ließen uns Kuchen, Scones und roten Cappuccino
schmecken. Der rote Cappuccino basiert auf Rooibos-Tee, kommt gänzlich ohne Kaffee aus, wird aber wie der Klassiker zubereitet. Bei der Einfahrt in das riesige
Weingut zahlten wir zwar einen kleinen Eintritt, aber ein Besuch ist absolut empfehlenswert.
Auf der Fahrt über den Sir Lowry´s Pass machten wir einen Abstecher zu einem modernen Weingut mit erstklassigem Restaurant. Das Waterkloof Wine Estate sticht neben den preisgekrönten Weinen insbesondere durch seine außergewöhnliche Architektur hervor. Hoch oben am Hang gelegen beeindruckte uns das moderne Gebäude. Wir durften uns ein wenig umsehen und erhielten einen phantastischen Panoramablick von der Terrasse auf die False Bay. Die großen Fensterfronten im Restaurant Chorus, welches zu den zwanzig besten Restaurants in den Winelands gehörte, lassen alles hell und luftig erscheinen. Ein wirkliches Erlebnis.
Der Sir Lowry´s Pass führte uns in eine bedeutende Obstanbauregion, die sich rund um Grabouw und dem Elgin-Tal befindet. Die Region ist auch als "Apple
Country" bekannt. Entlang der N2 reihen sich Obstplantagen aneinander in denen hauptsächlich Äpfel angebaut werden. Bereits seit dem 19. Jahrhundert wird in dem
Gebiet Obstanbau betrieben. Heute kommt über die Hälfte der gesamten Apfelproduktion Südafrikas aus dieser Region.
Wir fahren auf dem Viljoen Pass weiter bis zum Theewaterskloof-Stausee. Die Landschaft wird immer eindrucksvoller und wir erreichen kurz darauf den Franschhoek Pass, der auch Olifants Pass genannt wird. Hier sollen früher Elefanten die Berge überquert haben. Die circa dreizehn Kilometer lange Straße führt sehenswert durch die Berge bis zu einem Aussichtspunkt von dem wir einen spektakulären Blick auf das Franschhoek-Tal hatten.
In Franschhoek besuchten wir das in herrlicher Landschaft eingebettete historische Weingut La Motte. Das Herrenhaus aus dem 18. Jahrhundert im kapholländischen Stil ist heute Nationaldenkmal. Das Weingut ist für seine hohe Qualität bekannt und auch wir konnten uns davon bei einem kleinen Weintasting überzeugen.
Über den wenig spektakulären Hellshoogte Pass fuhren wir zurück nach Stellenbosch und unserer Unterkunft. Damit endete die lohnenswerte Vier Pässe Tour für uns.
Wir fahren ins französische Eck
Bevor wir am nächsten Tag weiter nach Franschhoek fuhren, besuchten wir noch das Weingut Blauuwklippen, welches nur wenige Kilometer von unserer Unterkunft entfernt lag.
Es besticht durch einen hübsch angelegten Außenbereich, einer Kunstaustellung, einem gut sortierten Shop sowie zwei Restaurants. Am Wochenende findet hier
regelmäßig ein Familienmarkt statt. Das Weingut wurde bereits 1682 gegründet und gehört ebenfalls zu den ältesten Weingütern Südafrikas. Der Name rührt vom
grau-blauen Granitgestein auf dem die Weinreben wachsen. Alleinstellungsmerkmal hat das Weingut vor allem durch sein Pionierarbeit in der Zinfandel Erzeugung. Dieser Rotwein wird
nur sehr selten in Südafrika angebaut.
Im nur dreißig Kilometer entfernten Franschhoek bezogen wir unsere nächste Unterkunft. Im Corner House Residence verbrachten wir ein paar Tage in einer geräumigen Ferienwohnung. Neben dem herrlichen Garten und dem einladenden Pool hat uns auch das hervorragende Frühstück, welches wir auf der Veranda des Haupthauses zu uns nahmen, begeistert.
Nicht jeder Besuch eines südafrikanischen Weinguts bedeutete, dass wir auch Wein tranken. Viele Weingüter sind riesige Anwesen mit etlichen Aktivitäten, die auch viele Familien anlocken und auf
denen es einiges zu entdecken gibt. Neben Picknicks, Wandermöglichkeiten, Bikeparks und Restaurants, sind es vor allem die Parks und Gärten, die zum Spazieren und Erholen einladen.
Nun wurde es allerdings Zeit für eine ganz besondere Weinprobe. Mit Uber ließen wir uns zu Black Elephant Vintners fahren. Die kleine Weinkellerei war ganz anders als alle Weingüter, die wir zuvor besucht hatten. Modern, kreativ und mit einem künstlerischen Touch fühlten wir uns auf Anhieb wohl. Im
bunten Verkostungsraum erwartete uns die nächste Überraschung. Zur Weinprobe bekamen wir im wahrsten Sinne Musik auf die Ohren. Abgestimmt auf die jeweiligen Weine hörten wir während der Verkostung unterschiedliche Lieder. Ein tolles Erlebnis für alle Sinne. Aber
auch der Einblick in die Geschichte des Weinguts, den Gründern und deren Philosophie sowie die umfangreichen Erläuterungen zu den verkosteten Weinen, machten den Besuch zu einem gelungenen
Event.
Nur zehn Minuten Fußweg vom Weinkeller entfernt hatten wir uns einen Tisch zum Abendessen auf der Chamonix Wine Farm im
Restaurant Arkeste reserviert und ließen den Abend gemütlich ausklingen.
Die Franschhoek Wine Tram
War das noch zu toppen? Ja war es.
Am nächsten Tag hatten wir eine Tour mit der sogenannten Wine Tram gebucht. Es gibt mehrere farblich markierte Linien, die unterschiedliche
Weingüter und Regionen anfuhren. Im Vorfeld wählten wir die Orange Line und besuchten vor allem die weiter entfernten Anlagen. Das bedeutete, dass wir den
ganzen Tag mit einem nostalgischen Zug und ähnlich aussehenden Bussen von einem Weingut zum anderen fuhren. An jeder Haltestelle konnten wir
entscheiden, ob wir aussteigen oder weiterfahren. Die Tram und die Shuttlebusse fahren zu festen Zeiten und so mussten wir uns vorab überlegen, welche Weingüter wir besuchen und was wir dort
unternehmen wollten. Die Tour startete um 9.30 Uhr und wir wurden zunächst mit dem Bus zum Zugterminal gefahren. Im Zug gab es dann bereits einen ersten Begrüßungswein. Wir
besuchten insgesamt vier Weingüter und ließen uns ganz unterschiedliche Tastings schmecken. Verkostungen und Essen waren nicht im Ticketpreis enthalten und
mussten vor Ort bei den einzelnen Weingütern bezahlt werden.
Wir fuhren als erstes zum am weitesten entfernt liegenden Weingut Bacco. Die italienisch anmutende Architektur des Weingutes, welches von der Toskana inspiriert wurde, beeindruckte uns. Sie war so ganz anders, als die der alteingesessenen Weingüter im kapholländischen Stil. Hier erwartete uns ein hochmoderner Weinkeller mitten in den Weinbergen von Paarl. Die ersten Reben wurden 2016 gepflanzt. Mittlerweile hat sich das Weingut mit hochwertigen Qualitätsweinen einen Namen gemacht. Eine kleine Weinprobe in der modernen Lounge stand für uns auf dem Programm. Im Restaurant werden italienisch inspirierte Gerichte serviert.
Nachdem uns der Bus nach gut einer Stunde wieder abholte fuhren wir weiter zum Weingut Vrede en Lust. Hier hatten wir zuvor eine Weinprobe mit Käseverkostung gebucht, welche ein wenig unpersönlich, aber durchaus lecker war. Uns wurden die verschiedenen Käsesorten und die dazu passenden Weine in einem Schwung erklärt, sodass wir die Infos gar nicht alle behalten konnten. Bei der Verkostung selber ließen wir es dann ruhig angehen, da wir hier ein Zeitfenster von zwei Stunden eingeplant hatten.
Weiter ging es zum wunderschönen Weingut Plaisir. Es befindet sich zwischen Paarl und Franschhoek an den Hängen des mächtigen Simonsberg. Das Weingut gehört zu einer der größten
Weinfarmen in der Region und blickt auf eine lange Geschichte zurück. Gegründet wurde es bereits 1693. Neben hervorragenden Weinen ist das Weingut Plaisir auch die Heimat des Tempest
Gin. Aus saisonalen Fynbos-Botanicals werden drei verschiedene Gin-Varianten (Herbst, Winter, Sommer) destilliert. Diese Besonderheit konnten wir uns nicht entgehen
lassen und ließen uns zur Abwechslung ein Gin-Tasting im historischen Verkostungsraum schmecken.
Den Abschluss machte das weit über die Region bekannte Weingut Boschendal. Wir konnten leider nicht alles der riesigen Anlage erkunden, da die Zeit bis zur letzten Abfahrt
bereits knapp wurde. Im Verkostungsbereich Cellar Door, im Schatten einer großen Eiche genossen wir allerdings noch eine letzte Verkostung mit Wein und
Schokolade sowie mit Austern und hervorragenden Cap Classique.
Zurück an die Atlantikküste
Über den Franschhoek Pass, der uns erneut mit seiner eindrucksvollen Berglandschaft verzauberte verließen wir die Weinregion und fuhren zurück an die
Küste.
Auf dem Weg legten wir einen Stopp im Peregrine Farm Stall ein. Farm Stall oder Padstal sind in Südafrika Bauernmärkte, die an Fernstraßen liegen, selbstgemachte
lokale Produkte anbieten und damit eine wunderbare Möglichkeit für eine Fahrpause bieten.
Seit bereits sechs Jahrzehnten gibt es den Peregrine Farm Stall, der neben einer eigenen Bäckerei auch ein Café sowie einen großen Markt mit regionalen
Produkten bereithält. Auf dem Gelände gibt es weitere kleine Läden, die Pizzen, Bowls und verschiedene Getränke anbieten. Zudem gibt es ein Antiquitäten Geschäft, einen Doppeldeckerbus
mit Lederwaren, Bekleidungsgeschäfte sowie eine Gärtnerei und eine Buchhandlung zu entdecken. Langweilig wird es hier nicht.
Kurz bevor wir die Küste erreichten, gerieten wir in einen kleinen Stau. Nachdem die Kuhherde in Gordon´s Bay wieder von der Straße verschwand setzen wir unseren Weg fort und hielten für einen Mittagstopp im Old Harbour und kehrten in The Thirsty Oyster Tavern ein. Bei einem kleinen Snack genossen wir den herrlichen Ausblick auf die Bucht.
Im Anschluss befuhren wir einen der landschaftlich schönsten Küstenabschnitte des Westkaps. Die Küstenstraße R44, der sogenannte Clarence Drive, bot immer wieder herrliche Ausblicke. Auf der einen Seite die Hottentots Hollands Berge auf der anderen Seite das tiefblaue Meer der False Bay. Ein Fotomotiv jagte das nächste.
Brillenpinguine in Betty´s Bay
Die Küstenpanoramastraße brachte uns nach Betty´s Bay. Das verschlafene Örtchen hat eine Hauptattraktion, die Besucher in den Ort lockt. Das Stony Point Nature Reserve. Das Besondere an diesem Ort ist nicht nur die Landschaft. Er ist auch Heimat einer der größten Brillenpinguinpopulationen der Welt. Die kleinen Gesellen tummeln sich direkt am Strand und zwischen den Felsen. Anders als in Simon´s Town war es dort viel ruhiger und weniger Besucher fanden den Weg dorthin. Zwar kann man die Pinguine bereits an einem frei zugänglichen Strandabschnitt beobachten, aber auch in Betty´s Bay gibt es einen Holzbohlenweg, der weiter an der Küste entlang führt. Der Eintritt ist gering und lohnt sich. So konnten wir neben den Pinguinen auch die lustigen Klippschliefer, die Dassies genannt werden, zwischen den Felsen entdecken. Kaum zu glauben, aber ihre nächsten Verwandten sind die Elefanten! Auch Möwen, Kormorane und Gänse bekamen wir zu Gesicht. Ein wahres Naturparadies.
Die Walhauptstadt Hermanus
Unser nächstes Ziel war die Walhauptstadt Südafrikas. Rund 120 Kilometer südöstlich von Kapstadt befindet sich Hermanus. An der Atlantikküste können in den Monaten Juni bis November die Südkaper, eine Walart beobachtet werden. Die Wale tummeln sich vor allem zum Höhepunkt der Walsaison im Oktober in der Walker Bay. Daher wanderten wir ausgestattet mit Fernglas und Teleobjektiv direkt nach unserer Ankunft ans Meer. Im warmen Abendlicht erhaschten wir allerdings nur einen Blick auf die schöne Küstenlinie und spazierten im Anschluss in den Künstlerort. Wir hatten Glück. Jeden ersten Freitag im Monat findet der sogenannte Art Walk statt. Zahlreiche Kunstgalerien haben bis Abends geöffnet und die Besucher flanieren entspannt mit einem Gläschen Wein durch die Straßen.
Unsere Unterkunft befand sich im Esplanade Hermanus Apartmentkomplex. Unseren Mietwagen konnten wir in der geräumigen Tiefgarage unterstellen. Eine hübsch eingerichtete Wohnung mit großer Terrasse und Blick auf den Ozean erwartete uns. Die Lage war perfekt um den Ort sowie die Küstenregion zu entdecken. Hier ließ es sich aushalten.
Am nächsten Morgen versuchten wir erneut unser Glück und begaben uns auf den etwa 12 Kilometer langen Cliff Walk. Er führt direkt am Meer entlang und brachte uns zu kleinen Buchten und Badestränden. Gesäumt von Blumen, Büschen und Felsen war der Weg sehr abwechslungsreich und es ergaben sich immer wieder herrliche Ausblicke auf das Meer. Wir erspähten den ein oder anderen Vogel, Dassis und eine Gruppe Delfine. Das Einzige was wir nicht sahen waren Wale! Damit wir die vielen Kilometer nicht zurücklaufen mussten ließen wir uns von einem Uberfahrer an einem Parkplatz abholen und zurück nach Hermanus fahren. Die Wanderung lohnt sich, denn die Landschaft ist atemberaubend schön.
Ein Abstecher in die Vergangenheit
Wir fuhren wieder ins Hinterland. Auf dem Weg zu unserem nächsten Ziel kamen wir an den Walker Bay Vineyards and Birkenhead Brewery vorbei. Perfekt für eine
Mittagspause. Das familiengeführte Landgut umfasst neben dem Weingut auch eine der ersten Craftbier-Brauereien Südafrikas. Im Restaurant mit
Blick auf die Klein River Mountains aßen wir eine Kleinigkeit und verkosteten einige Biere. Gestärkt machten wir uns wieder auf den Weg.
Über ruppige Straßen und Schotterpisten erreichten wir nach rund einer Stunde Fahrt die ehemalige Missionsstation Elim. Sie wurde von deutschen Brüdern der
Herrnhuter Brüdergemeinde im Jahr 1824 gegründet. Die 240 Jahre alte Kirchenglocke stammt aus Deutschland und war bis 1914 noch in Herrnhut, welches mittlerweile zum UNESCO
Weltkulturerbe gehört, in Verwendung. Der Ort Elim mit seinen reetgedeckten Häusern ist heute Nationaldenkmal Südafrikas.
Bei unserem Besuch wurden wir herzlichen begrüßt (so oft verirren sich hierher keine Touristen) und erhielten sogleich eine Führung. Besonders stolz wurde uns das Holzwasserrad der
Wassermühle aus dem Jahr 1833 gezeigt. Zudem wurde von Schweizer Touristen berichtet, die vor ein paar Wochen dagewesen waren. Wir platzten im Anschluss in eine Gemeindesitzung und
erhielten Einblick in ein kleines Museum zur Geschichte des Ortes.
Lohnt sich ein Besuch in diesen etwas abseits liegenden Ort? Für den, der sich für die Geschichte interessiert vielleicht, ansonsten gibt es hier nicht wirklich etwas zu entdecken, obwohl
wir der kleinen Gemeinde durchaus etwas mehr Tourismus gönnen würden.
Am südlichsten Punkt Afrikas
Auf der Weiterfahrt zu unserem nächsten Ziel passierten wir die südafrikanische Tierwelt. Wir entdeckten Schildkröten, Strauße und Fuchsmangusten entlang der Schotterpisten.
Bevor wir in unsere nächste Unterkunft eincheckten, unternahmen wir einen wunderschönen Spaziergang entlang der Küste. Wir befanden uns am Kap Agulhas. Die tiefstehende Nachmittagssonne bescherte uns eine ganz besondere Stimmung. Wir waren am südlichsten Punkt Afrikas angekommen. Dieser befindet sich hier am Kap Agulhas und nicht wie oft angenommen wird am Kap der guten Hoffnung. Zudem befanden wir uns an der Grenze zwischen dem Atlantik und dem Indischen Ozean. Allerdings wiesen nur ein Relief des afrikanischen Kontinents sowie ein Gedenkstein darauf hin. Dennoch ein magischer Ort, dessen Besuch sich lohnt.
Unsere Unterkunft in Struisbaai war das Chateau de Marine. Eine hübsche Anlage mit Pool und schönen Aufenthaltsmöglichkeiten.
Nachdem wir Kapstadt und das weltberühmte Kap der guten Hoffnung ein wenig kennenlernen durften, ging es in die Winelands. Nach einigen Tagen fuhren wir von dort zurück an den Atlantik und waren immer wieder bezaubert von der Küste. Am südlichsten Punkt Afrikas endet der erste Teil der Reise. Wie unsere Route weiterging und was wir alles erlebt haben, erfahrt ihr im zweiten Teil.









































































































































































































































































































































































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Jutta (Dienstag, 24 Februar 2026 07:52)
Super, ist bei uns auch noch geplant, danke für die Tipps- freue mich schon auf Teil 2.