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Sommerurlaub im Winterparadies?

Kennt ihr eigentlich Inzell? Die meisten die ich das gefragt habe verbinden diesen Ort mit Winterurlaub und Sportarten wie Skifahren, Eislaufen und Langlaufen. Das Inzell aber auch in den anderen Jahreszeiten viel zu bieten hat möchte ich euch mit unserem Wochenendtrip im Juni zeigen. Es gibt viel zu entdecken und zu unternehmen. Dabei liegt der Ort wunderschön eingebettet in den Chiemgauer Alpen. Worauf wartet ihr noch? Nichts wie hin nach Inzell im Chiemgau

 

Wir folgen der Einladung der Inzeller Touristik und verbringen ein paar tolle Tage mit unserem Camper in Inzell. Unser Ziel: Wir möchten so viel wie möglich von dieser tollen Umgebung entdecken und erleben. 

Logenplatz mit Blick auf die Berge

Unser Campingplatz liegt sehr idyllisch am Rande von Inzell. Wir haben einen phantastischen Blick auf die Berge und können unsere Unternehmungen direkt von hier aus starten.

Der Campingplatz Lindlbauer bietet große Stellplätze, die auf verschiedenen Ebenen am Hang angelegt sind. Der Untergrund ist aus Schotter und der Platz ist sehr eben. Stromanschluss und Wasser sind vorhanden, müssen sich aber mit anderen Stellplätzen geteilt werden. Der Blick ist natürlich grandios, aber wir haben ein paar schattenspendende Bäume vermisst, die die einzelnen Parzellen auch etwas "wohnlicher" machen würden. Es wehte zwar immer ein angenehmer Wind, aber im Hochsommer könnte es hier doch schon einmal heiß werden. 

Die Sanitäranlagen, die sogenannte "Waschalm", sind modern und sehr sauber. Große Duschkabinen und Waschgelegenheiten bieten einen tollen Komfort. Es gibt allerdings keine Trennung nach Geschlecht. Das war für uns zuerst befremdlich, aber überhaupt kein Problem, so ist doch jede Kabine abschließbar. Im unteren Bereich befinden sich WCs und separate Mietbäder. Sogar Waschmaschinen und Trockner sind vorhanden. 

An der Rezeption befindet sich ein kleiner Biergarten bzw. ein Café. Hier können vorbestellte Semmeln zum Frühstück gekauft werden oder auch verschiedene Getränke sowie Kaffee und hausgemachte Kuchen genossen werden. W-Lan ist ebenfalls verfügbar, muss aber separat dazu gebucht werden; der Empfang ist zufriedenstellend. 

Als Schmankerl gibt es für jeden Gast die Chiemgau Karte. Mit dieser Karte können viele Attraktionen in der Region Inzell und Ruhpolding kostenfrei genutzt werden. Definitiv eine tolle Sache und auch wir haben sie genutzt - dazu später mehr. 

Ein erster Überblick - die Panorama-Runde

Um die tolle Umgebung von Inzell kennen zu lernen haben wir uns E-Bikes beim Bikeverleih Scheufele geliehen. Vom Tourenrad über Mountain-Bikes bis hin zum E-Bike ist hier für jeden das passende Gefährt dabei. Eine tolle Beratung und nützliches Equipment sind inklusive und einer Fahrt in das schöne Alpenland steht somit nichts mehr im Wege.

Durch Zufall entdecken wir auf unserer ersten Erkundungstour den Wegweiser "Panorama-Runde". Wir folgen der Beschilderung und bekommen so einen ersten Überblick und Eindruck von Inzell. Die ca. 11 km lange Runde kann sowohl mit dem Rad befahren als auch erwandert werden. Es geht entlang eines Baches, führt uns durch einen Teil des Inzeller Moors und über Felder und Wiesen an kleinen Weilern vorbei - die Berge immer im Blick. Ein toller Start für uns. Die Beschilderung ist super und ist ohne weitere Informationen leicht nachmachbar.

Fellknäuel mit großen Augen

Ein großer Wunsch von mir war es einmal eine Alpakawanderung zu machen. Ich habe in letzter Zeit viel darüber gelesen und gesehen und wollte es unbedingt einmal selber ausprobieren. Wahr geworden ist dieser Traum beim Alpakastall Inzell von Monika und Andreas Bauregger. Wir durften ein paar tolle Stunden mit Monika und ihren geliebten Tieren verbringen. Ein absolut tolles Erlebnis für alle Tierfreunde.

Reservieren könnt ihr diese neue erlebnisreiche Erfahrung direkt bei Monika; am besten telefonisch oder per Email. Treffpunkt der Wanderung ist die Pension Restner, nur wenige Gehminuten vom Stall entfernt. 

Zunächst haben wir einen kurzen Überblick über die Tiere bekommen und Monika erzählt uns einiges über z.B. den Unterschied zwischen Alpakas und Lamas, deren Herkunft und viele weitere interessante Dinge. Auffällig und absolut neu für uns waren die quietschigen Geräusche, die die Alpakas von sich geben. Das hatten wir noch nie im Leben vorher gehört, aber so kommunizieren die Alpakas untereinander. 

Zudem waren die Alpakas alle frisch geschoren und die ohnehin schon schnuckeligen Tiere sahen zum Teil sehr lustig aus. Aus der Wolle lässt Monika Decken fertigen. Die Alpaka Wolle gehört zu den hochwertigsten der Welt und hat tolle Eigenschaften. Sie ist sowohl für den Winter als auch für den Sommer geeignet; dabei ist sie extrem langlebig und strapazierfähig. 

Kurz darauf geht es zu den Junghengsten in den offenen Stall. Wir werden neugierig beäugt und können die ersten mutigen Tiere streicheln. Wir gewöhnen uns schnell aneinander und es werden erste Freundschaften geschlossen.

Im Anschluss darf sich jeder ein Wollknäuel zum Spazieren aussuchen. Es wird aufgehalftert und dann geht es auch schon nach vorher festgelegter Reihenfolge im Gänsemarsch los. Wir laufen zunächst durch eine kleine Wohnsiedlung und ich bin überrascht wie ruhig und gelassen die Tiere sind. Über Felder und Wiesen spazieren wir ein Stück in den Wald hinein. Kurze Zeit später geht es dann wieder retour.

Eines mögen die Alpakas allerdings gar nicht und das sind Hunde. Auf unserem Rückweg wird es daher etwas turbulent. Ein Alpaka tanzt plötzlich sprichwörtlich aus der Reihe und ist kaum noch zu bändigen. Monika hilft den aufgewühlten Hengst Gismo zu beruhigen und mit vereinten Kräften - Alpakas haben eine enorme Kraft - geht es dann doch unbeschadet zurück in den Stall.

Die Wanderung ist eine super Möglichkeit und eine tolle Erfahrung diesen Tieren einmal näher zu kommen. Aber damit nicht genug - zum Abschluss dürfen wir noch auf eine Wiese zu einige Stuten mit ihren Fohlen. Was für eine Rasselbande! Es ist klasse die Tiere aus nächster Nähe beobachten und die ausgelassenen Spielereien verfolgen zu können.

Ein Besuch bei Monika und Andreas ist auf jeden Fall ein tolles Erlebnis und sollte unbedingt einmal ausprobiert werden. 

Kaiserschmarrn - at its best!

Nach diesem emotionalen Highlight brauchen wir erst einmal eine Stärkung. Aber wie ist es so oft? Ein Highlight jagt das nächste! So dürfen wir in der historischen Ödmühle nicht nur den weltbesten Kaiserschmarrn verkosten sondern werden auch Zeuge einer besonderen Aufbauaktion. Das historische Mühlrad (neu zusammengezimmert nach alten Plänen) wird mit großem Gerät und viel Millimeterarbeit an einen neuen Platz gebracht. Aber der Reihe nach... 

Zunächst lassen wir uns in der geschichtsträchtigen Ödmühle erst einmal in eine andere Zeit versetzen. Auf dem alten Küchenofen wird der Kaiserschmarrn natürlich frisch für uns zubereitet. In dieser Zeit erkunden wir die Mühle. Über kleine Holztreppen geht es hinauf bis zu einem kleinen Kammerl. Nach der Erkundungstour erfahren wir, dass die Ödmühle eigentlich Ferienwohnungen beherbergt. Zudem gibt es zwei Schlaffässer idyllisch am Bachbett gelegen sowie einen Bauernhof (ebenfalls mit Ferienwohnungen) und etlichen Tieren. Eine eigens errichtete Alm, die Treffpunkt für die Gäste ist und ein Spieleparadies für Kinder im Obergeschoss der Mühle machen den Hof zu einem absolut familientauglichen Urlaubsort. Mir gefallen besonders die vielen kleinen Details und die liebevolle Art alt und neu zu verbinden. Wir spüren sofort, dass hier viel Herzblut drin steckt und jeder Willkommen ist. Auf der Terrasse lassen wir uns den Kaiserschmarrn und riesige Tassen Kaffee schmecken. 

Doch dann wird es plötzlich laut und wir werden Zeugen vom Aufbau des neu erbauten Mühlenrads. Wir bestaunen das originalgetreu nachgebaute riesige Rad und beobachten fasziniert wie dieses mit Hilfe von Maschinenkraft aus der Scheune zu seinem neuen Platz gefahren wird. In Millimeterarbeit wird dieses im Anschluss auf zwei einbetonierte Pfosten gehängt. Es läuft nicht alles glatt aber zum Schluss wird die mühevolle Arbeit belohnt und das Mühlenrad steht wieder. 

Auch für Gäste, die nicht im Haus übernachten ist es möglich den leckeren Kaiserschmarrn zu verkosten. Von Mittwoch bis Sonntag von 12-16 Uhr ist ein jeder willkommen und kann sich die Leckerei schmecken lassen. Unser Geheim-Tipp für Inzell! 

Früh am Morgen zum idyllischen Bergsee

Bereits vor dem Frühstück packen wir unsere Räder und machen eine Radtour zum nicht weit entfernten Frillensee. Dabei geht es zunächst durch ein Wohngebiet und dann immer der Straße entlang bis wir zum Wanderparkplatz Adlgaß gelangen. Wir stellen unsere Räder am Forsthaus Adlgaß ab und starten von dort unsere Wanderung zu einem der kältesten Seen Deutschlands. Zunächst führt uns der Weg an einer Schautafel vorbei. Sie beschreibt den Bergwald-Erlebnis-Pfad - eine spannende Entdeckung der Natur für Jung und Alt. Verschiedene Schautafeln und Aufgaben entlang des Weges durch den Wald und entlang des Frillenseebaches machen die Wanderung kurzweilig. Plötzlich sind wir da und ich glaube es kaum - ein grandioser Blick auf den Bergsee und das dahinterliegende Staufenmassiv erwartet uns. Zu so früher Stunde sind wir noch völlig allein unterwegs und können den Anblick genießen. Über einen Bohlenweg führt uns der Rundweg zunächst rechts am See vorbei. Im Anschluss umrunden wir ihn links haltend auf einem breiten Forstweg und spazieren die Strecke bis zum Forsthaus Adlgaß zurück. Für die ca. 6 km Wanderung benötigen wir ca. 2 Stunden. Zudem brauchen wir nochmals ca. 30 Min. für die ca. 8 km vom Campingplatz bis zum Wanderparkplatz und zurück. Nach diesem frühmorgendlichen Ausflug wird erst einmal ausgiebig gefrühstückt.  

Rund um den Falkenstein

Bevor wir unsere Räder wieder abgeben müssen wollen wir auch noch den Falkenstein umrunden. Diese gemütliche Radtour führt uns vorbei am berühmten Eisstadion sowie an drei kleinen sehenswerten Seen. 

Wir folgen dem Auge grob Richtung Eisstadion und gelangen somit automatisch auf den Rundweg. Er ist ausgeschildert und nicht schwer zu finden.

Es geht also zunächst zur Max Aicher Arena, dem Mekka des Eisschnelllaufs, welche weit über die bayrischen Grenzen bekannt ist. Wie wir erfahren sind vor allem niederländische Gäste keine Besonderheit in Inzell, wohl auch aufgrund des Wintersports und Inzell postet auf den Social Media Kanälen sogar niederländische Beiträge - sehr innovativ wie ich finde.

Vorbei am Zwingsee, ein kleiner netter See mit Bademöglichkeit, Kiosk und Tretbootverleih, geht es weiter durch den Wald, ein Stück der Straße entlang und wieder zurück in den Wald dem Weg folgend. Etwas oberhalb vom Frillenseebach, über den eine kleine Brücke führt, entdecken wir noch eine Besonderheit bevor wir umkehren und dem Wegweiser Richtung Falkensee weiter folgen.

Und zwar sehen wir ein Hinweisschild auf die erste Pipeline der Welt. Es handelt sich um die alte Soleleitung die von Bad Reichenhall nach Rosenheim führte. Auf dem sogenannten SalzAlpenWeg kann dieses Stück Geschichte unter anderem erwandert werden. Er ist ein Zuweg des Premiumweitwanderwegs SalzAlpenSteig, der von Prien am Chiemsee nach Obertraun am Dachstein führt. 

Zurück auf dem eigentlichen Weg weiter Richtung Falkensee bemerken wir, dass es Sonntag ist. Der Weg wird voller. Radfahrer, wandernde Menschengruppen und Hunde begleiten uns zum See. Eigentlich ist der See ein kleines Highlight. Eingebettet zwischen den Bergen mit seiner smaragdgrünen Farbe ist er ein echter Hingucker und der kleine Steg, der zu einem Aussichtsbankerl führt ist wahnsinnig idyllisch - wären da nicht die vielen anderen Besucher, die den See an diesem Tag zu ihrem Ausflugsziel erkoren haben. Uns wird es bald zu rummelig und wir machen uns weiter auf den Weg.

Unterwegs an einem kleinen Kneippbecken durch den Bach, an dem wir uns die Füße kühlen, weist uns ein Hinweisschild zum versteckt liegenden Krottensee. Wir zögern nicht lang und radeln in diese Abzweigung. Hierhin verirren sich nicht mehr ganz so viele Leute und wir genießen erneut die Ruhe und die Natur bevor es zurück zum Hauptweg geht. Nach kurzer Zeit durch den Wald haben wir unseren Einstieg in den Rundweg wieder erreicht und begeben uns zurück in den Ort. 

Die Rundtour kann sowohl mit dem Rad als auch zu Fuß gelaufen werden. Sie ist ca. 7 km lang und kann in ca. 2 Stunden begangen werden.  

Pfingstroas - ein Dorf steht Kopf

Zufällig waren wir genau an dem Wochenende in Inzell an dem das große Dorffest stattfindet. Wir erleben eine musikalische, kulinarische Reise durch den Ort. An unterschiedlichen Stationen spielen Musikgruppen traditionelle bayerische Blasmusik.

Wir entdecken altes Handwerk auf dem Kunsthandwerker Markt mit vielen Ständen, die entlang der Straße aufgebaut sind.

Für das leibliche Wohl bieten die Inzeller Wirte für jeden Geschmack etwas an und die vielen Sitzmöglichkeiten und Biergärten laden zum ausruhen und schauen ein. Auch wir lassen uns natürlich die ein oder andere Köstlichkeit schmecken und stillen unseren Durst mit einem kühlen Weißbier.

Zudem gibt es ein Bulldog-Oldtimer-Treffen welches mit einer Rundfahrt durch den Ort abschließt.

Wir merken, dass Traditionen in Inzell noch groß geschrieben und gelebt werden. Das ist eine Besonderheit für Urlauber wie Einheimische gleichermaßen. Eine tolle Erfahrung für uns Nordlichter. 

Das Runde muss ins Runde!

Bevor wir wieder "Pfiat di" sagen habe ich mich noch einer Herausforderung gestellt.

Es geht auf den Fußballplatz. Aber nicht auf irgendeinen Fußballplatz sondern zu Deutschlands größtem Fußballgolfplatz. Fußballgolf ist wie der Name schon sagt eine Mischung aus Fußball und Golf und zwar müsst ihr einen Fußball mit möglichst wenigen Schüssen durch unterschiedliche Schikanen in ein Loch im Boden spielen. 

Im Soccerpark Inzell könnt ihr genau das ausprobieren. Und wenn ihr euch nach der mehr oder weniger anstrengenden Arbeit noch erholen wollt ist die Almhütte genau das Richtige für euch. 

Nun geht es für uns aber los: 

Nach einer kurzen Einweisung und Bekanntmachung der Regeln geht es bewaffnet mit Bällen, sowie Stift und Block auf dem die benötigten Schüsse notiert werden auf das Spielfeld. Bereits nach kurzer Zeit merke ich wie viel Spaß mir das Ganze bereitet und der männliche Part nicht gleich haushoch überlegen ist. Das motiviert und jeder kann hier seine Geschicklichkeit beweisen.

Auf dem Fun-Platz den wir bespielen gibt es 18 Bahnen mit einer Gesamtlänge von 1.180 m. Das schaut im ersten Moment gar nicht so weit aus aber zum Schluss merke ich sie und die Kräfte schwinden so langsam. Am letzten Loch lose ich komplett ab und muss sogar die Strafpunkte einkassieren. Macht nichts - es hat Spaß gemacht!

Wir spielen ca. 1,5 Stunden. Es gibt auch noch einen Premium-Platz, der noch etwas länger ist und sich an die sportlicheren Spieler richtet. Für Familien und Anfänger ist der Fun-Platz aber völlig ausreichend.

Als kleines Schmankerl für Inzell Urlauber ist ein Spiel auf dem Fun-Platz sogar in der Chiemgau Karte inbegriffen. 

Und was meint ihr?

Ist ein Urlaub im Winterparadies auch außerhalb der Skisaison lohnenswert? Wir meinen JA! Inzell hat absolut viel zu bieten. Für jeden ist Etwas dabei um sich hier ein paar Tage zu erholen, auszupowern oder einfach die Natur zu genießen. 

Wir waren überrascht wie schön die Landschaft ist, wieviel der Ort zu bieten hat und kommen auf jeden Fall wieder. 

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